Geschichte

Mintzel-Druck - Tradition verpflichtet

Es gibt kein zweites Druckereiunternehmen in Deutschland, das seit 375 Jahren kontinuierlich als Familienbetrieb geführt wird. Alle Inhaber der Firma Mintzel-Druck, von ihrem Gründer Johann Albrecht Mintzel bis zu Stephan und Matthias Hoermann haben miteinander in einem verwandtschaftlichen Verhältnis gestanden. Diese familiäre Traditionskette ist nur ein einziges Mal für eine kurze Zeit, von 1828 bis 1834, unterbrochen worden. In dieser langen Kette der Generationen drückt sich auch die ungemein starke Vitalität dieses Unternehmens aus.

Diese einzigartige Geschichte hat die Firma Mintzel-Druck längst zu einem festen Bestandteil der Hofer Stadt-, Kultur-, Gewerbe- und Personalgeschichte werden lassen. Wer immer sich mit der Geschichte Hofs befasst, wird auch auf die Geschichte dieser Druckerei stoßen. Wer immer die Geschichte der Firma Mintzel-Druck und des „Hofer Anzeiger“ schreibt, wird automatisch ein Stück Hofer Geschichte mitschreiben. Im 17. Jahrhundert ist es die fürstlich-brandenburgische Druckerei, im 18. Jahrhundert ist es die Gymnasiumsdruckerei. Im 19. und 20. Jahrhundert ist aus der Gymnasiumsdruckerei der moderne industriemaschinelle Druckbetrieb geworden. Am Ende des 20. und mit Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Firma Mintzel-Druck in eine neue Phase ihrer traditionsreichen Geschichte eingetreten: in das Zeitalter der computerbasierten Kommunikations- und Drucktechnologie.

In der Geschichte der Firma und des „Hofer Anzeiger“ spiegeln sich somit über Jahrhunderte die großen und allgemeinen Entwicklungslinien des Druckerei- und Verlagswesens wider: die Zeit der Handpresse, der „Schwarzen Kunst“, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts reicht, und die Zeit des modernen industriellen Druckereibetriebes. Letztere ist zwar noch nicht zu Ende gegangen, sie wird aber schon maßgeblich von den neuen Kommunikations- und Drucktechnologien, von den Technologien der Zukunft geprägt. Die Firma Mintzel-Druck ist folglich vom Tage ihrer Gründung, vom 2. Mai 1625 an bis zum heutigen Tag, in diese große allgemeine Geschichte des Druckereiwesens eingebettet gewesen. Mit ihrer Geschichte lässt sich exemplarisch die Geschichte dieser Branche schreiben. Doch bleibt diese Firmengeschichte immer insofern einzigartig, als das Unternehmen seit 11 Generationen von Familienmitgliedern geführt wird.

Die Entwicklungsphasen der Firma von der Handpresse des 17. und 18. Jahrhunderts zum modernen Druckereibetrieb decken sich weitgehend mit dem Wechsel von der Hofer Druckerei- und Verlegerdynastie der Mintzels zur Drucker- und Verlegerfamilie der Hoermanns. Die Mintzels haben in 5 Generationen, von 1625 bis 1840, die Firma geführt bzw. in ihr mitgearbeitet. Die Drucker- und Verlegerfamilie Hoermann führt seit 1840 die Firma nun auch schon in 5. Generation fort. Waren die Mintzels noch in der so genannten Buchdruckerkunst geübte Handwerker des gehobenen städtischen Mittelstandes gewesen, so haben die Hoermanns den alten Handwerksbetrieb mit 2 Holzpressen seit Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem modernen Druckereiunternehmen weiter entwickelt.

Der letzte Drucker und Verleger Mintzel, Johann Heinrich Mintzel (1763–1840), hat an der Schwelle zum Industriezeitalter als Inhaber der Firma noch alle Rollen in seiner Person vereinigt: Druckereibesitzer, Drucker, Verleger, Herausgeber, Schriftleiter, Redakteur, Anzeigenakquisiteur, Feuilletonist, Lehrherr usw. Mit der Drucker- und Verlegerfamilie Hoermann, mit Carl Hoermann (1814–1893), beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts in Hof das moderne Druckerei- und Verlagsunternehmen und die funktionale Differenzierung der Berufsrollen. Im 17. und 18. Jahrhundert arbeiten noch wenige Personen in der Druckerei: der Druckereibesitzer, seine Söhne und Schwiegersöhne, vielleicht zwei, drei Gesellen oder Lehrlinge. In der 2. Hälfte des 19. und im 20. Jahrhundert arbeiten in dem mittelständischen Druckereibetrieb 3 Dutzend und mehr Personen. Heute, im Zeitalter moderner Kommunikations- und Drucktechnologien, zählt die Firma im Vergleich zu ihrem Umsatz wesentlich weniger Mitarbeiter als damals.

Betrachten wir die 11 Generationen in der Führung dieses traditionsreichen Hofer Unternehmens genauer, dann treten natürlich die vielen Biographien und Einzelschicksale hervor, die uns anrühren und an unsere Vergänglichkeit erinnern. Erfolg und Misserfolg, Hoffnungen, die sich manchmal nicht erfüllt haben, Ereignisse, die eine glückliche Wende herbeiführen, Einquartierungen und Brände, Krankheit und Leiden, der Tod von Kindern, Sorgen und Mühen – und immer ein arbeitsreiches Leben, aus diesem Stoff könnte eine „große“ Firmengeschichte geschrieben werden.

Die Firma Mintzel-Druck, der „Hofer Anzeiger“ und der Hoermann-Verlag haben ihren festen Platz in der Hofer Stadt-, Kultur-, Gewerbe- und Personalgeschichte bewahrt. Tradition ist eine gute Sache, doch Tradition allein trägt nicht in die Zukunft. Tradition erhalten und fortführen heißt, mit innovativem unternehmerischem Geist unter sich wandelnden Rahmenbedingungen den richtigen Kurs zu finden. Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, steht die 5. Generation des Unternehmens angesichts der kommunikations-, informations- und drucktechnologischen Entwicklungen vor neuen Herausforderungen.

2009 wurde die Geschäftsleitung der Druckerei an Peter Gänßlen übergeben, der die alte Tradition wahrt und mit vielen Ideen und technischen Neuerungen eine leistungsstarke, flexible und zukunftsorientierte Druckerei formt.
Peter Gänßlen ist Farbenlithografenmeister und hat jahrelang einen Druckvorstufenbetrieb in Baindt-Schachen bei Ravensburg geführt. Anfang 2000 hat er die Druckerei der Oberschwäbischen Verlagsanstalt in Ravensburg übernommen und erfolgreich saniert.

Quelle Text & Bilder: Alf Mintzel - Eine Firmengeschichte

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